Longevity im Hype-Cycle

Longevity hat sich in den letzten Jahren auch in Deutschland zu einem medialen Trendbegriff entwickelt. Während das Thema bis 2022 kaum sichtbar war, ist das Interesse inzwischen regelrecht explodiert. Doch was hat diesen Aufschwung ausgelöst – und basiert der Hype tatsächlich auf neuen wissenschaftlichen Erkenntnissen oder eher auf medialer Dynamik?

LONGEVITY FUNDAMENTALS

Dr. Markus Badwal

1/29/20263 min lesen

Der Begriff Longevity hat sich in den letzten Jahren auch in Deutschland zu einem echten Trendwort entwickelt - ein Begriff, dessen Hype in den Medien regelrecht explodiert ist.

Dieser Trend spiegelt sich auch in den Google-Suchanfragen (Fig. 1) eindeutig wider:

Bild von unsplash von Verena Yunita Yapi

Figure 1: Google-Suchanfragen zu “Longevity” in Deutschland von 2004 bis heute - abgerufen am 10.12.2025

Es fällt auf, dass der Begriff Longevity in Deutschland bis 2022/2023 praktisch kein Thema war: Der Begriff wurde kaum gegoogelt und fand daher vermutlich auch im öffentlichen Raum nahezu keine Verwendung. Das wirft Fragen auf:

Was ist damals passiert? Wodurch hat das Interesse an diesem Thema so zugenommen?

Und inwiefern lässt sich dieser Aufschwung wirklich durch neue, bahnbrechende Erkenntnisse in der Wissenschaft und insbesondere Forschung erklären?

Prominente Treiber des Longevity-Hypes

Einen wesentlichen Impuls für diesen Trend gaben prominente Stimmen aus den USA, die um das Jahr 2018/2019 begannen den Begriff über Medienauftritte, Bücher, Investments und Podcasts immer stärker zu platzieren.

Nach meiner Einschätzung waren es vor allem die folgenden Personen (Fig. 2), die die öffentliche Wahrnehmung und Popularisierung des Longevity-Themas maßgeblich beeinflusst haben:

  • David Sinclair - Genetiker, Grundlagenforscher zu Alterungsprozessen und Professor in Harvard, Buchautor von Lifespan (2019)

  • Bryan Johnson - Tech-Unternehmer, Biohacker und Investor; radikales Selbstexperiment im Bereich Longevity & Gründer des Programms/Unternehmens Blueprint (seit ca. 2021)

  • Peter Attia - Arzt und Podcaster (The Drive Podcast; erste Folge 2018), Gründer von Early Medical (Medizinische Praxis die Lebensspanne und Gesundheitsspanne verlängern soll), Buchautor von Outlive (2023)

  • Andrew Huberman - Neurowissenschaftler und Professor in Stanford, Podcaster (Huberman Lab, erste Folge 2020), Buchautor von Protocols (angekündigt für 2026

Zusätzlich investierten Tech-Giganten aus dem Silicon Valley (z.B. Sam Altman, Peter Thiel und Jeff Bezos) in diesem Zeitraum große Summen in Anti-Aging-Unternehmen (z.B. Altos Lab, SENS Research Foundation).

Gemeinsam sorgten diese prominenten Stimmen und die milliardenschweren Investitionen aus dem Silicon Valley dafür, dass Longevity in kürzester Zeit von einer wissenschaftlichen Nische zu einem globalen Trendthema aufstieg.

Figure 2: Prominente Autoritäten im Longevity-Bereich aus den USA: David Sinclair sein Buch Lifespan aus 2019, Bryan Johnson und das Produkt “Longevity Mix” aus seinem Unternehmen Blueprint, Peter Attia und sein Buch Outlive aus 2023, Andrew Huberman und sein ausstehendes Buch Protocols angekündigt für 2026 (von links nach rechts; Buchcover von Amazon.com)

Entwicklung des Longevity-Hypes in Deutschland

Wie bei vielen innovationsgetriebenen Hype-Themen zeigte sich auch hier das übliche Muster: Die Welle startete in den USA – und erreichte erst nach etwa zwei bis drei Jahren den deutschsprachigen Raum - was ungefährt in 2022 war. Seitdem fand das Thema hier mit zunehmendem Tempo Anklang, gewann Aufmerksamkeit und wurde schnell zu einem festen Bestandteil der gesundheitlichen Zukunftsdiskussion.

Sogar auf dem Stimmzettel der Bundestagswahl 2025 tauchte das Thema auf: Eine neu gegründete „Partei für Verjüngungsforschung“ macht Langlebigkeit zu ihrem zentralen Anliegen. (1)

Als Reaktion auf diese Entwicklung positionieren sich inzwischen auch in Deutschland immer mehr Influencer, Ärzt:innen und andere “Fachpersonen” im Longevity-Bereich. Parallel dazu entstehen die ersten Longevity-Kliniken und spezialisierte Gesundheitszentren (Fig. 3), die ein vermeintlich neues Behandlugsziel in Aussicht stellen. Das Behandlungsprogramm umfasst dabei häufig Elemente wie eine umfassende Diagnostik (z. B. Blutparameter und Mikrobiom-Analysen), Infusionstherapien sowie Kältetherapien, etwa in Form einer Cryo Chamber – und sind dabei nicht selten überraschend teuer.

Im Kern geht es dabei weitestgehend immer um das gleiche Versprechen:

  1. Alterungsprozesse messbar zu verlangsamen,

  2. chronische Erkrankungen zu verhindern und

  3. Menschen zu mehr Vitalität, Funktionalität und damit Lebensqualität zu verhelfen.

Am Ende steht also immer das übergeordnete Ziel, die Lebensspanne zu verlängern und zugleich mehr gesunde, leistungsfähige Jahre (= Gesundheitsspanne) zu gewinnen.

Klingt zunächst einmal äußerst vielversprechend und erstrebenswert, doch wie viel davon ist wissenschaftlich tatsächlich erreichbar – und wo beginnt der Wunsch, die Realität zu überholen? Und wie viel davon ist wirklich neu?

Figure 3: Beschreibung des Longevity Programms vom Lanserhof Tegernsee – “World’s Best Longevity Clinic” – als Beispiel einer Longevity-Clinic (abgerufen am 10.12.2025). Im Umfang solcher Programme sind häufig Infusionstherapien und Kältetherapien, etwa in Form einer Cryo Chamber, enthalten (Bilder von unsplash von Samuel Ramos und Sven Mieke).

Den gesamten Artikel gibt es auf meinem Substack-Account:

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